Simon Schrape, Anfang der 80er weit im Südosten eines Lan­des, das es nicht mehr gibt, geboren, aufgewachsen in Berlin – der Geteilten, der Wieder­zusammen­geflickten, der Hippen. Der Gehass­liebten. Be­dingungs­los Geliebte hingegen sind ihm seit jeher die Musik und die Sprache.

Vor „ein paar Jahren“ beschloss er, Liedermacher zu sein, zog mit der Gitarre erst in die Stille seines Kämmerleins, dann in die Abgeschiedenheit der Wiesen und Wälder, bald in die Wohn­zimmer seiner Freunde und wagte endlich, die eine oder andere kleine oder nicht ganz so kleine Bühne zu betreten.

Und jetzt? Jetzt sind „ein paar Jahre“ vergangen, und der um viele interessante Bekannt­schaften, lehrreiche Erfahrungen und eine Prise Abgeklärtheit reichere Liedermacher fragt sich, was als nächstes kommt. Er muss mal raus aus den Kinderschuhen. Muss er? Ja, schon. Lebt jetzt schließlich auf größerem Fuß, was den Anspruch an sich selbst angeht. Vielleicht ist er ja in den letzten paar Jahren doch irgendwie erwachsen geworden? Ob er reif ist? Und wofür? Man weiß es nicht. Auf jeden Fall ist er gespannt. Das dürft ihr auch sein!

Hin und wieder gestellte Fragen

Hey Kratzfuß, was für ein Liedermacher bist du eigentlich?

Ein ganz normaler. Wie all die anderen auch. Als ich diesen Beruf „ergriff“, hielt ich das für was beson­deres, was es früher mal gab aber jetzt nicht mehr. Dass dieses Land grad (und auch schon seit einigen Jahren) von Liedermachern überrannt wird, merkte ich erst so nach und nach. Und auch, dass alle irgendwie immer wieder dieselben Themen besingen.

Ich mache da munter mit, versuche nicht krampfhaft, unbesungene Themen zu finden. Wie alle anderen auch erzähle ich von dem, was mich bewegt und was auch andere schon bewegt hat. Ich singe alte Geschichten neu mit meinen eigenen Worten.

Hey Kratzfuß, ich will deine Lieder hören und finde sie nicht. Du hast doch schon mal was aufgenommen, oder? Wie komm ich da ran?

Hmm, ja, ich war in meiner Anfangszeit sehr eifrig dabei, meine Lieder schnell aufzunehmen, damit ich sie für jeden hörbar ins Internet stellen kann. Neben einzelnen Liedern zu besonderen Anlässen habe ich Ende 2010 meine EP „Jahreslauf“ mit sechs Liedern auf­ge­nom­men und an Freunde und Familie verteilt. Die Aufnahmen waren sehr ambitioniert aber alles andere als perfekt. Ich fand das ehrlich, authentisch und gut so.

Inzwischen habe ich mich musikalisch, stimmlich und spielerisch weiterentwickelt und habe einiges an Ton­studio­arbeit mit­bekommen. Dadurch ist, wie gesagt, mein Anspruch an mich selbst gestiegen. Und zu diesem Anspruch gehört auch – bei aller Echtheit, die ja eines der höchsten Güter eines Liedermachers ist – den Fremd­schäm­faktor schön niedrig zu halten. Ihr sollt euch wohlfühlen, wenn ihr meine Musik hört, und nicht ständig peinlich berührt sein. Selbst den größten Herzschmerz will ich euch so singen, dass ihr einfach sagen könnt: „Ja, Mann!“

Wenn du meine Lieder hören willst, komm doch zu einem meiner Konzerte. Und wenn die dir zu selten sind, lad mich doch zu dir ins Wohnzimmer ein.

Und lieber Freund, wenn wir uns gut kennen, und du sagst: „Peinlich unperfekt ist mir egal – ich will Jahreslauf, Prinzessin, Räder rollen … was auch immer!“ – dann bohr solange nach, bis ich die alten Sachen rausrücke ;-)

Hey Kratzfuß, wann spielst du mal wieder ein Konzert?

Ich gestehe, mich nicht wirklich aktiv um Auftritts­möglich­keiten zu kümmern. Dazu fehlt mir leider die Zeit. Ich freue mich aber, wenn jemand Räumlichkeiten für ein Kratzfuß-Konzert zur Verfügung stellen kann und will. Wenn dazu noch ein paar Leute zum Zuhören kommen, bin ich offen für eure Einladungen.

Hey Kratzfuß, wann nimmst du endlich mal ein Album auf?

Ich will das wirklich sooo gerne machen. Aber das kostet eben Zeit und Geld. Und da ich eine Familie versorgen muss darf, sollte vor einem solchen Projekt schon absehbar sein, ob sich der Aufwand auch finanziell lohnt. Ehrlich gesagt: Ich traue mich einfach nicht, diesen Schritt endlich zu gehen. Wenn du das falsch findest, ermutige mich!

Hey Simon, warum nennst du dich eigentlich Kratzfuß? Ist dieser Begriff nicht negativ belegt?

Der Kratzfuß ist eine besonders unterwürfige Verbeu­gung. Heute assoziiert man das Wort wohl schnell mit einkratzen. Dieses Bild hatte ich natürlich gar nicht, als ich mir diesen Namen gab.

In erster Linie ist es eigentlich ein interlinguales Wortspiel mit meinem Nachnamen. Der ist nämlich mit dem englischen scrape verwandt, dessen eine Übersetzung wiederum Kratzfuß ist.

Außerdem finde ich aber auch das Bild der Verbeugung schön und passend. Wobei es mir nicht um eigenützige (und damit falsche) Unterwürfigkeit geht, sondern um ehrliche Demut, die aus der Erkenntnis wächst, dass ich als einzelner Mensch nur ein ganz winziger und zudem vergänglicher Teil vom Ganzen bin. Ich verbeuge mich gern vor dem Leben und seinem Ursprung.

Kontakt

Du hast Fragen, die ich hier noch nicht beantwortet habe? Du möchtest ein Liedermacherkonzert veranstalten, und ich soll (einer) der Liedermacher sein? Du willst, dass gute Musik vielen zugänglich gemacht wird und für die Nachwelt erhalten bleibt, und würdest in die Produktion meines ersten richtigen Albums investieren?

Du kannst mir schreiben: Auf dem schnellen Weg an die E-Mail-Adresse kratzfuss bei dieser Domain. Oder auf dem langsamen Wege an den Briefkasten von Phono.ton in der Straße am Flugplatz 6a in 12487 Berlin.